Rosarot

Ein rosaroter Luftballon zeigt mir den Weg zu dir. Neckend legt er sich vor mich auf den Grund. Er will, dass ich ihm folge. Denn jedes Mal, wenn ich einen Schritt auf ihn zu gehe, fliegt er weiter. Hüpfend, schwebend, immer nur soweit, dass ich ihn gerade nicht erwischen kann.

„Ok“, beschließe ich und lache, „ich folge dir.“ Ich bleibe stehen. Lasse ihn nun den ersten Schritt tun, der keiner ist. Vielmehr wartet er, vibriert ein wenig in der Luft, die ihn ebenfalls weitergehen sehen will. Er aber bleibt, wartet, wartet auf den richtigen Moment, auf den richtigen Zug, die richtige Zugluft, um den Sprung zu wagen. Den Absprung, den Aufsprung. Woher er weiß, dass es passieren wird? Vielleicht spürt er ihn, den Augenblick, in seinem Innersten. Das Nahen des Windes, der sein Ursprung ist, sein Anfang und sein Ende.

Und da ist er schon, bläst kräftig und trägt den rosaroten Luftballon schnurstracks in die Höhe, mir gerade vor das Gesicht und dann noch ein Stückchen höher. Ich zögere nicht, denke nicht, greife nach der Schnur, die den Ballon zusammen hält. Halte mich und er hält mich. So werde ich federleicht und fliege.

Wir fliegen und ich weiß wohin. Wir fliegen und finden uns darin.

Text: Magda Hassan

Magda Hassan