Schattentanz
Über den Sprung, den die Zeit hinterlassen hat, springe ich. Ich tanze mit den Schatten der Vergangenheit, trete in ihre Fußstapfen und verlasse sie wieder. Es ist ein Tanz, den wir vollführen – sie und ich, die Vergangenheit mit mir. Am Strand, den das Meer für uns bereitet. Im Sand sehe ich sie, deine und meine Fußabdrücke und wundere mich, wie sehr und wie wenig sie zueinander passen. Meine enden irgendwann irgendwo. An jenem Platz, an dem ich noch nie gewesen war. Dort setzen andere an. Ich folge ihnen, ohne zu zögern. Da merke ich, dass es nur eine Seite ist und sie rückwärts gehen. Nur eine Richtung, nur ein Weg. Ich folge ihnen, gehe ihrem Ursprung entgegen. So beginne ich zu tanzen. Ich trete neben die Spuren, vervollständige sie spielerisch, drehe und wende mich, um mich und um dich, der du einst und nun nicht mehr über deinen Fußspuren stehst. Ich frage mich, wie es einst für dich gewesen sein mag, diesen Weg zu gehen. Hattest du je geahnt, dass ich hier so viel später mit dir tanzen würde?
Mit einem Mal stehe ich neben mir und sehe uns beiden zu. Dir und mir, wie wir tanzend unseren Weg gehen, entlang des Meeres, das uns den Sand unter die Füße spült und getrennt nur von dem Sprung, den die Zeit gerissen hat.
Vielleicht sind wir gegangen, vielleicht sind wir verloren. Vielleicht tanzen wir über der Zeit, vollführen Sprünge auf ihrem dünnen Glas.
Unsere Schatten laden zum Tanz.
Text & Sprecherin: Magda Hassan