Sinnsucht
Ich muss es dir sagen, muss es teilen, muss es, muss. Es muss. Ich habe eine Sucht, musst du wissen. Du musst. Musst du. Wisse! Ich habe eine Sucht, die mich auf die Suche stößt. Die mich vom Weg abbringt. Die mich ins Dickicht lockt. Die mich weg bringt. Weg vom Weg. Ich muss. Ich muss es. Es muss doch. Du wirst doch verstehen, was ich da sage? Die Sucht, sie zwingt mich, mich zu suchen. Derweil bin ich doch. Bin ich. Bin ich doch. Da. Bin ich nicht? Bin ich? Nicht wahr? Wenn es wahr ist, dass die Sucht mich sucht, lässt sie mich nicht finden. Nur suchen. Soll ich nun, oder nicht? Suchen? Nach mir? Vielleicht hat sie ja doch recht, weißt du, die Sucht. Vielleicht finde ich mich am Ende. Am Ende dort. Vielleicht find ich mich am Ende dort, wo ich suche, im Dickicht. Vielleicht entdecke ich einmal die Lichtung, die sie mir verspricht. Vielleicht, weißt du, vielleicht weiß man es nicht. Was mich dann dort? Vielleicht war ich schon dort? Vielleicht bringt mich die Sucht einfach weiter, wieder weg. Wieder weg vom Weg. Wieder weg von mir, damit ich wieder suchen kann. Damit ich sie wieder finden kann. Wiederfinden kann, die Sucht. Sie hält mich immerhin. Sie hält mich fest. Ganz fest, damit ich nicht alleine bin. So ganz ohne mich. So ganz außer mir. So und nicht anders muss es wohl sein. Andererseits, wer weiß, wer weiß es schon. Weiß nur, dass sie schonungslos, mir die Haut vom Leibe reißt. Das Dickicht zieht und zerrt. Die Kleidung habe ich schon lang verloren. Schon lang nicht mehr. Ganz dünnhäutig geh ich da. Wieviele Lichtungen habe ich schon hinter mir? Über wieviele hat sie mich getrieben, die Sucht? Was mach ich dann dort, wenn ich sie gefunden habe. Sie? Die Sucht oder die Lichtung? Ich werde dort gebettet sein. Ganz sicher. Ganz sicher dort bleiben dürfen, ganz sicher nicht mehr suchen müssen. Richtig? Sag’s mir, wenn du’s weißt. Ob es Hoffnung gibt. Dass mich die Sucht auch finden lässt. Und mich nicht gleich wieder vergessen macht, dass ich doch. Dass ich doch gefunden bin. Ich muss dir sagen, muss es teilen, muss, es muss doch. Die Suche ein Ende haben.
Text: Magda Hassan